THE NEW PICTURES
@Smend Gallery Cologne
October 2016

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Introduction
 

Dear guests,

May I also greet you very warmly.

“The New Pictures” – The exhibition title could not be more suitable since it makes clear that the exhibits are a selection of works from this year with one/two exceptions. They show the stylistic change of the imagery of the artist within the last twelve months. Through this stylistic change, her already complex work expanded dramatically. it is noteworthy that the new paintings are none-the-less recognizable as typical Claire Mesnil images.  

 

I first met the works of the artist more than ten years ago in the context of one of her exhibitions in the Belgian Consulate General in Cologne. The cultural attaché asked me to describe the exhibits shown there by a German/French artist. I was immediately fascinated by the pictures and to me it was clear that they occupied a very unique segment within the figurative art. Every good work of art has different levels of meaning. Of course, as an art historian I consequently wanted to sound out the work. As a result, I sought a personal conversation with the artist and soon realised that was not an easy matter. That has also not changed in our friendship since then.  

I must still ask her often and patiently as to what concerns her pictures.   

 

Her statement at that time “I don´t talk about art, I do it” reflects this attitude as well as the title of her Facebook page: “I don´t paint things, I paint stories”.

 

 Stories yes, as a starting point certainly a personal one, which the artist formally encrypts, anonymizes. She thereby creates space for each viewer´s personal stories.  On the path to his fantasy, to his own associations, she gives him some guidelines.  A mood created by light maybe, a scene, a landscape perhaps with a house or a car. Puristically reserved but narratively picture-filling and far beyond.  It i just this putative meagreness in which we can allow our imagination to live. Artworks are acts of communication and attempts at meeting in order to open eyes and senses.

 

The new pictures shown in this exhibition allow this individual access in a special way. They look more alive, more powerful, far more than the earlier works,  which showed much more subdued colours, concentrated on gray and blue tones embroidered with silver and occasional splashes of pure colour. Form and colour created distance, the picture composition was artificial, determined by a cooler calculus. 

 

This aloof design concept as it was established for years has been completely left behind by the artist in the meantime. The subject of the picture is now often very much reduced, the colouring is used more autonomously. The colour itself creates the dominant picture mood but not necessarily its form: Energetic, and powerful without being intrusive, it shows a variegation without confetti-variegation. The colour values correspond with the light mood create tonaly vibrating shades and light fields.

 

These paintings are penetrating in spite of the break-up of the motive, as if carried by a magic strength.

 

I could follow through my visits in the studio how rapidly this new development of the picture language took place. On each of my visits, I discovered in the latest works something new, which was not to be seen so before.  

 

The development is still in a speedy flow which is an especially exciting and lively  challenge for me as a historian. I would like to understand what is the motor for all of this change and above all: To where does the now chosen path lead.

 

“I might never arrive”, says the painter “because I would like to discover something new every day, thinking something new every day, deciding something new every day.  Each decision is an adjustment: so it changes one´s own coordinate system with one own positioning in it.  This is necessary and right in order to remain watchful. Watchful for life, for the moment, for creativity. Only with this vividly preserved watchfulness can I succeed in being authentic”.

 

Please enjoy walking through this exhibition. The artist and I would be happy to answer any further question.

Cologne 2016

©Helga-Isabella Lorentz, art historian

All rights reserved

Einführung

 

 

Sehr verehrte Gäste,

auch ich darf Sie herzlich begrüßen.

„The New Pictures“ – Der Ausstellungstitel könnte nicht treffender sein. Verdeutlicht  er doch, dass die Exponate (bis auf ein/zwei Ausnahmen) eine Auswahl von Arbeiten aus diesem Jahr sind. Sie zeigen die stilistische Veränderung der Bildsprache der Künstlerin innerhalb der letzten zwölf Monate. Durch diesen stilistischen Wandel erfährt ihr mittlerweile komplexes Werk eine entscheidende Erweiterung. Das Bemerkenswerte daran ist, dass die neuen Bilder dennoch weiterhin als typische Claire Mesnil Werke sofort erkannt werden.

 

Als ich vor über zehn Jahren den Werken der Malerin begegnete, war dies im Rahmen einer ihrer Ausstellungen  im Belgischen Generalkonsulat in Köln. Der Kulturattaché  hatte mich gebeten, etwas über die dort gezeigten Exponate einer deutsch-französischen Künstlerin zu schreiben. Ich war sofort fasziniert von den Bildern und mir war klar, dass sie ein ganz eigenes Segment innerhalb der figurativen Kunst besetzten. Jedes  gute Kunstwerk hat verschiedene Bedeutungsebenen. Als Kunsthistorikerin wollte ich natürlich das Werk daraufhin ausloten. Folglich suchte ich das persönliche Gespräch mit der Künstlerin und merkte bald, dass das eine nicht einfache Angelegenheit war. Das hat sich auch in unserer seit damals erwachsenen Freundschaft nicht geändert.

Was ihre Bilder anbetrifft, muss ich nach wie vor vieles geduldig nachsetzend immer wieder erfragen.

 

Ihre damalige Aussage „ich unterhalte mich nicht über Kunst, ich mache sie“ spiegelt diese Haltung ebenso wieder, wie der Titel ihrer Facebookseite: „I don´t paint things, I paint stories.“

 

Geschichten ja, als Ausgangspunkt sicherlich eine persönliche, die die Künstlerin dann formal verklausuliert, quasi anonymisiert. Dabei schafft sie Platz für die Geschichten eines jeden Betrachters. Auf dem Weg in seine Phantasie zu seinen eigenen Assoziationen gibt sie ihm ein paar Wegweiser. Eine Lichtstimmung etwa, eine Szenerie, eine Landschaft vielleicht mit  einem  Haus oder  einem Auto.  Puristisch zurückgenommen, aber doch narrativ bildfüllend und weit darüber hinaus. Es ist gerade diese vermeintliche Kargheit, in der wir unsere Phantasie leben lassen können.  Kunstwerke sind Akte der Kommunikation und Versuche von Begegnung, um Augen und Sinne zu öffnen.

 

Die in dieser Ausstellung gezeigten neuen Bilder ermöglichen diesen individuellen Zugang auf eine besondere Art. Sie wirken lebendiger, kraftvoller, weit mehr als die früheren Werke, die eine viel verhaltenere Farbigkeit zeigten, sich auf silbrig durchwirkte Grau- und Blautöne konzentrierten mit vereinzelten reinen Farbakzenten. Form- und Farbgebung waren distanzschaffender, die Bildkomposition artifizieller, von kühlerem Kalkül bestimmt.

 

Dieses zurückgenommene, über Jahre hinweg gleichsam festgeschriebene Gestaltungskonzept hat die Künstlerin inzwischen völlig verlassen. Das Bildsujet ist nun häufig sehr reduziert, wobei das Kolorit autonomer eingesetzt wird. Die Farbe an sich bedingt die bilddominierende Stimmung, nicht mehr unbedingt die Form: Energetisch, voller Kraft ohne aufdringlich zu sein,  zeigt sie eine Vielfarbigkeit ohne Konfetti-Buntheit. Die Farbwerte korrespondieren mit der Lichtstimmung, schaffen tonal vibrierende Schatten und Lichtfelder.

 

Diese Gemälde wirken trotz der Verinselung des Motivs eindringlicher, wie von magischer Kraft getragen.

 

Ich habe bei meinen Besuchen im Atelier verfolgen können wie schnell sich diese neue Entwicklung der Bildsprache vollzogen hat. Bei jedem meiner Besuche entdeckte ich in den jüngsten Arbeiten etwas Neues, das so vorher noch nicht im Werk der Künstlerin zu sehen war.

 

 Die Entwicklung ist nach wie vor in einem zügigen Fluss, was für mich als Historikerin eine besonders spannende und lebendige Herausforderung ist. Ich möchte nachvollziehen, was der Motor ist für all diese Veränderung und vor allem: Wo führt der jetzt eingeschlagene Weg hin.

 

„Ich möchte nie ankommen“, sagt die Malerin, „denn ich möchte jeden Tag etwas Neues entdecken, etwas Neues denken und mich immer wieder neu für mich selbst entscheiden. Jede Entscheidung ist eine Justierung: damit verändert sich das eigene Koordinatensystem mit der eigenen Positionierung. Das ist notwendig und richtig, um wachsam zu bleiben. Wachsam für das Leben, den Moment, die Kreativität. Nur mit dieser lebendig erhaltenen Wachsamkeit gelingt es mir, authentisch zu sein.“

 

Viel Freude beim Gang durch diese Ausstellung. Die Künstlerin und ich stehen Ihnen gerne für weitere Fragen zur Verfügung.

Köln 2016

©Helga-Isabella Lorentz, Kunsthistorikerin

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