INVISIBLE
2012

invisible_150.jpg

oil/canvas, 130 x 190 cm

When looking at the picture, the world is in sympathy, with is transformed  into silence. The roof becomes the secret living room. The chimney becomes the reading chair. The protagonist is at the moment in another world, just as with Kurt Tucholsky “ Sometimes, oh happy moment, you are engrossed in a book into which you sink. You are no longer there.”

 

Telling stories visually is a central aspect of the picture. The viewer is abducted into a fantastic poetic dream world next to the surreal facet. An aesthetic of ambiguity is produced. The alienation of the mundane  – namely reading – is supplemented with an unreal component by reading on the roof.  The framing determines the artful interweaving of paradoxes. The figure merges an impression of compete relaxation with the surroundings, immersed in silence, lost in it. She uses the roof as a buffer zone between herself and everyday life.  For her, it is quite normal to choose the roof of the house as a retreat, defying rational explanation. 

 

The image concepts and its formulation manifests itself on the one hand in the network of vertical rows of houses. On the other hand one finds the unique composition of colours and shapes harmonizing with the expressive colour accents.  The contour of the reader corresponds to the vertical row of houses. Thus it provides the framework for a game with surfaces and colours, which mutates to the actual basis for composition. The light texture of the brush strokes, merge the house components into a high density colour complex to precisely-defined colour forms.  In the figure of the woman, the colours of the entire picture focus in a nuance of red-, blue/grey-, yellow/ocher and white. Light and shadow effects emphasize the retention of “timelessness”.

 

The compositional scheme is based on the fact that all parts of the picture are quietly interrelated and interdependent. The pictorial action is inserted as clear lines in a geometric image order. The balancing of colour, shape and proportions results in an intra-pictorial harmony. The consciously disclosed force behind the picture is the paradox as a picturesque pointe, in a complex interaction. The book and the woman are isolated from their natural environment.

 

The essence of the painting is contemplation. The beautifully subtle seriousness of the reader is image immanent. The protagonist is preoccupied with herself, thrown back on herself. The world around her turns into silence. The intimacy of the moment is not betrayed.

 

What holds the work together? A wonderful blend of classical composition, soft brushwork and artistic plasticity. Unspectacular motifs are transformed by exceptional viewing angles and image details into a vivid viewing experience. What seems unspectacular at first glance leads to intensive dialogue about the unfathomable reality.
 

©Helga-Isabella Lorentz, art historian

All rights reserved

Beim Betrachten des Bildes verwandelt sich die Welt assoziativ in Stille, das Dach wird zum geheimen Wohnzimmer, der Schornstein zum Lesesessel. Die Protagonistin befindet sich im  Augenblick in einer anderen Welt, ganz nach Kurt Tucholsky „Manchmal, oh glücklicher Augenblick, bist du in ein Buch vertieft, dass du in ihm versinkst – du bist gar nicht mehr da.“ Visuelles Erzählen ist zentraler Aspekt es Bildes. Der Betrachter wird in eine fantastischpoetische Traumwelt neben der surrealen Facette entführt. Erzeugt wird eine Ästhetik der Mehrdeutigkeit. Die Verfremdung des Alltäglichen erhält durch das Lesen auf dem

Dach eine irreale Komponente. Die Kadrierung bestimmt die kunstvolle Verflechtung von Paradoxien.

Die Figur verschmilzt im Eindruck völliger Entspanntheit mit der Umgebung, taucht in Stille ein, verliert sich darin. Sie benutzt das Dach als Pufferzone zwischen sich und dem Alltag. Für sie ist es ganz normal, das Dach des Hauses als Rückzugsort zu wählen, was sich rationaler Erklärung entzieht.

Die Bildidee und seine Formulierung manifestiert sich einerseits im Geflecht der vertikalen Hausreihe, andererseits steht das ganz eigene Klangsystem von Farben und Formen mit der  Harmonie der ausdrucksstarken Farbakzente in Einklang. Die Kontur der Leserin korrespondiert mit der vertikalen Häuserzeile. Dadurch liefert sie den Rahmen für ein Spiel mit Flächen und Farben, mutiert zur eigentlichen Kompositionsgrundlage. Die leichte Textur der Pinsel

striche verschmelzen die Hauselemente zu einer hohen koloristischen Dichte, zu präzis umrissenen Farbformen. In der Gestalt der Frau konzentrieren sich die Farben des gesamten Bildes

in einer Nuancierung von Rot-, Blau/Grau-, Gelb/ Ocker und Weiß. Licht- und Schattenwirkungen unterstreichen das Festhalten des „Zeitlosen“. Das Kompositionsschema beruht darauf, dass alle Bildteile ruhig miteinander verknüpft und aufeinander bezogen sind. Die bildhafte Geschichte wird in klaren Linien in eine geometrische

Bildordnung eingefügt. Das Austarieren von Farbe, Form und Proportionen ergibt eine innerbildliche Harmonie. Bewusste Offenlegung der bildbestimmenden Kraft ist die Paradoxie als

malerische Pointe, in einem vielschichtigen Miteinander. Das Buch und die Frau sind aus ihrer natürlichen Umgebung isoliert.

Das Wesentliche des Gemäldes ist Kontemplation, die schöne subtile Ernsthaftigkeit der Lesenden ist bildimmanent. Die Protagonistin ist mit sich selbst beschäftigt, auf sich zurück

geworfen. Die Welt um sie herum verwandelt sich in Stille. Die Intimität des Augenblicks ist jedoch nicht entblößend.

Was hält das Werk zusammen? Wunderbare Überblendung von klassischer Komposition, weicher Pinselführung und malerischer Plastizität. Unspektakuläre Motive werden durch außergewöhnliche Blickwinkel und Bildausschnitte zu einem anschaulichen Seh-Erlebnis. Was auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, führt zum intensiven Zwiegespräch über die unergründliche Wirklichkeit.

©Helga-Isabella Lorentz, Kunsthistorikerin

Alle Rechte vorbehalten