SILENCE I 
(Triptychon)
Do Not Feel
2012

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oil/canvas, 120 x 90 cm

The fundamental element of the representation of the triptych “Silence I – III” is silence as a way toward inner contemplation.
According to the artist, it is a quoted reference to the Japanese proverb: Mizaru, Kikazaru, Iwazaru, do not see, do not hear, do not speak. It stands for a model of how to deal with evil.

As the focal point of each individual composition, the artist places one woman with varying content. The viewer of the paintings is given a world in which “time” simply dissolves into an aesthetic of silence, of contemplation. That involuntarily produces a meditative thought process, demands becoming involved with a superficially eventless motive.

The first picture of the triptych “DON`T FEEL” for example: is it really lacking action?   The woman, who at first glance, is dressed in oriental style, is cropped by the bottom edge of the picture, looks directly at the viewer. Does this mean that she is taking the leave of a person unseen by the viewer, or it is more like a compulsion to block emotions – both her own and those of the unseen person? Perhaps she wants to step into the nebulous background lying in front of her free of any emotions? Those eloquent eyes do not give the viewer a clear answer. 

Except for the eyes, the forehead and parts of the back, the bandaged body does not tell us anything her personality, thus concealing her identity. Nevertheless, she communicates with the observer with a tangible intensity. This is emphasized by the absence of any decorative accessory. The surrounding “Nowhere” is an integral part of the work and highlights the compelling presence of the person. Placed slightly off centre to the left, she determines the vertical axis. 

The tension in this complex work is not so much a result of the veil of the protagonist, but of the simplicity of the subject. Sensations are compressed when viewing the image and they are also released. 

The embedding of the scene in an almost monochromatic grey/brown/blue nebulous background, compresses the white of the fabric into a “coloured” contrast. One could also say that the choreography of the shadows envelops the woman and thus establishes a compositional context. This is underlined by three hanging brown-grey cords forming diagonals on the left, which are countered by the two cords on the right. This creates a balanced structure of the work, which is underscored by the rhythm of the lines. 

©Helga-Isabella Lorentz, art historian

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Tragendes Element der Darstellung des Triptychons „Silence I –III“ ist das Schweigen als Weg zur inneren Einkehr.  Nach Aussage der Künstlerin ist es ein zitathafter Verweis auf das japanische Sprichwort: Mizaru, Kikazaru, Iwazaru, nicht sehen, nicht hören, nicht sprechen. Es steht für den vorbildlichen Umgang mit Schlechtem. 

In den Fokus der einzelnen Kompositionen rückt die Malerin jeweils eine Frau mit unterschiedlicher Aussage.  Dem Betrachter der Werke wird eine Welt vermittelt als würde „die Zeit“ schlechthin sich auflösen in eine Ästhetik der Ruhe, des Innehaltens. Das löst unwillkürlich eine meditative Gedankenbewegung aus, verlangt das Einlassen auf ein nach außen handlungsarmes Motiv.

 

Das erste Bild  des Triptychons „Don't feel“ z.B.  ist es wirklich handlungsarm?  Die auf den ersten Blick orientalisch anmutende, vom unteren Bildrand angeschnittene Frau nimmt Blickkontakt mit dem Betrachter auf. Drückt ihr Blick das Abschiednehmen von einer dem Betrachter unsichtbaren Person aus oder gleicht er mehr einem Zwang, Gefühle – ihre eigenen und die des Unsichtbaren – auszuschalten? Vielleicht möchte sie sich, frei jeglicher Emotionen, in den vor ihr liegenden nebulösen Hintergrund begeben? Diese sprechenden Augen geben dem Betrachter keine eindeutige Antwort. 

Der bis auf Augen, Stirn und Teile des Rückens mit weißen Stoffstreifen bandagierte  Körper sagt uns nichts über ihre Persönlichkeit aus,  blendet somit ihre Identität aus.  Trotzdem korrespondiert sie in einer greifbaren Intensität mit dem Betrachter, was durch den Verzicht auf jegliches dekorative Beiwerk noch unterstrichen wird. Das sie umgebende „Nirgendwo“ ist integraler Bestandteil des Werkes und unterstreicht die fesselnde Präsenz der Person. Leicht dezentriert nach links platziert bestimmt sie die Vertikale im Raum.   


Die Spannung entsteht in diesem komplexen Werk nicht so sehr durch die Verhüllung der Protagonistin, sondern durch die Einfachheit des Sujets. Empfindungen werden beim Betrachten des Bildes verdichtet und auch freigesetzt.  Die Einbettung der Bildszene in den fast monochromen graubraun blauen,  nebulösen Hintergrund verdichtet das Weiß des Stoffes zu einem „farblichen“ Kontrast. Man könnte auch sagen, die Choreographie der Schatten umspielt die Frau und stellt so einen kompositorischen Zusammenhang her, der noch durch die beiden linken diagonalen drei herabhängenden braungrauen Kordeln sowie jeweils zwei auf der rechten Seite unterstrichen wird. Hierdurch entsteht eine ausbalancierte Gliederung des Werkes, was noch durch die Rhythmik der Liniensprache unterstrichen wird.

 

©Helga-Isabella Lorentz, Kunsthistorikerin

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