THE BRIDGE
2012

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oil/canvas, 190 x 140 cm

It is a seemingly simple scenario: a woman walks through fog over a bridge. The viewer watches her from behind as she hurries nimbly over the rotting planks, holding a shimmering orange paper lantern in her left hand.

The facial features of the woman remain hidden from the viewer, as well as her goal, which is in an indeterminate SOMEWHERE beyond the dense banks fog. Despite the obscurity, her gait appears safe and vibrant, the woman herself without a care. With the tips of two fingers, she playfully holds her dress slightly raised, a gesture that is, in its almost provocative insouciance, a visual means of expressing joy and lightness. 

 

The composition is dominated by the protagonist, who – aligned to the left relative to the bridge´s decentered course - is the only active vertical in the picture. The diagonal of the railing, accented with bright lights, and the contrary plank`s support, dominates the extended foreground even towards the viewer. From this far extended foreground, the viewing direction is passed quite naturally to the vertical midplane of the figure, whereby the diagonal of the bridge railing in leading to the figure formally designates it as the linking element between the image planes. 

The colour palette of the picture is sparse, but seems richer due to the fine nuances of light and shade. Identical colour values, achieve a harmonious calm, unifying the diverse forms. Thus the shades of dark brown appear both in the colour of long hair, in the interstices of the planks as well as in the sloping embankment to the right and left of the bridge. The skin tones of the figure also give the bridge planks their warm vitality. 

The airy feeling of the picture is created through the harmony of colour choice and its subtle hues consisting of dark blue-brown, dull blue-violet, dull light-brown, reddish brown and dark violet. 
The sky hardly has a material substance. It is brightness, light, materialized as a painting, as colour without shape and contour. Due to in the manner, in which the figure is related to its surroundings,  colours are the vital means of expression. 

The picture is dominated by a luminous misty mood, which can be interpreted as a metaphor for the uncertainty, the unpredictability of the future. The downward oriented depth embankments are still partially visible in the immediate present, but then dissolve gradually and gently into a luminous foggy web, in which the primary colours of the picture are now no more than just a distant memory. The painting reflects a differentiated sense for delicate relationships between those shades, which occur in the main theme. 

The magic of the painting lies not least in the composition and interpretation of the main figure, which draws the viewer into the scene suggestively, drawing the eye to the actual image content

Everything in this picture breathes peace, light and quiet like an interior space moved outdoors. 
 

©Helga-Isabella Lorentz, art historian

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Es ist eine einfach anmutende Szenerie: Eine Frau geht durch Nebel über eine Brücke. Der Betrachter sieht ihr gleichsam hinterher wie sie leichtfüßig über die morschen Planken eilt, in der linken Hand eine orange schimmernde Papierlaterne. 

   Die Gesichtszüge der Frau bleiben dem Betrachter verborgen ebenso wie ihr Ziel, das in einem unbestimmten Irgendwo jenseits der dichten  Nebelschwaden liegt. Trotz der verunklärten Fernsicht erscheint ihr Gang sicher und beschwingt, die Frau selbst sorglos. Mit zwei Fingerspitzen hält sie spielerisch das Kleid etwas angehoben, eine Geste, die ihrer fast provozierenden Unbekümmertheit visueller Ausdrucksträger von Lebensfreude und

Leichtigkeit ist.

   Die Komposition wird bestimmt von der Hauptfigur, die - nach links dezentriert ausgerichtet am Brückenverlauf - die einzige agierende Vertikale im Bild ist. Die Diagonalen des mit hellen Lichtern akzentuierten Geländers und der gegenläufigen Bohlenverstrebung beherrschen den vorderen Bildraum, weisen gar über ihn hinaus in den Betrachter Raum. Aus diesem weit definierten Bildvordergrund wird ganz selbstverständlich die Blickrichtung zu der vertikalen Figur der Mittelebene geleitet, wobei die Diagonale des Brückengeländers in Überleitung zu der Figur diese als  verbindendes Element zwischen den Bildebenen formal einbindet.  

   Die Farbpalette des Bildes ist sparsam, wirkt jedoch reichhaltiger durch die fein abstufige Nuancierung der Schatten und Lichter. Gleiche Farbwerte schaffen formübergreifend eine verbindende harmonische Beruhigung: So erscheinen die dunklen Braunabtönungen sowohl in der Farbe des langen Haares, in den Zwischenräumen der Bohlen, als auch rechts und links von der Brücke abfallenden Böschungen. Der Hautton der Figur verleiht ebenso den Brückenplanken ihre warme Lebendigkeit.

   Die luftige Anmutung des Bildes entsteht nicht zuletzt durch die Harmonie der Farbwahl und ihrer subtilen Farbnuancierung bestehend aus Dunkelblaubraun, stumpfem Blauviolett, stumpfem Hellbraun, Rotbraun, Dunkelviolett. 
Der Himmel hat kaum eigene materielle Substanz, ist Helligkeit, Licht materialisiert als Malerei, als Farbe ohne Form und Kontur. In der Art und Weise, wie die Figur zur Umgebung in Beziehung gesetzt wird  sind Farben das entscheidende Ausdrucksmittel.

Das Bild wird beherrscht von der lichtvollen Nebelstimmung, die als Metapher für das Ungewisse, das Unvorhersehbare der Zukunft gedeutet werden kann. Die in die Tiefe führenden Böschungen sind teilweise zunächst noch sichtbar in der Gegenwart verortet,  lösen sich dann allmählich sanft in einem hellen Nebelgespinst auf, in dem die Grundfarben des Bildes nur mehr als bereits ferne Erinnerung anklingen.  Das Bild zeigt ein differenziertes Gefühl für zarte Korrespondenzen in den Farbtönen, die sich im Hauptmotiv konzentrieren.  

Der Zauber des Gemäldes liegt nicht zuletzt in der Komposition und Interpretation der Hauptfigur, die den Betrachter suggestiv in die Szene hineinzieht. So nähert sich das Auge dem eigentlichen Bildinhalt.

Alles in diesem Bild atmet Ruhe, Licht und Stille wie ein Innenraum im Freien.  Farbe und Form erzeugen einen Sog von  fast meditativer Konzentration. Der Betrachter sieht seinen Standpunkt auf eindringliche Weise integriert, indem er selbst auf der Brücke zu stehen scheint, die vor ihm in die Weite des Bildes hineinführt. 
 

©Helga-Isabella Lorentz, Kunsthistorikerin

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