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Auf dem roten Sofa 1 / On the red couch 1

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"Ach, wissen Sie", sagt sie, während sie die Stricknadeln über etwas Lilafarbenem emsig aneinander klacken lässt, "ich habe ja nie daran gedacht, mir jemals ein Bild zu kaufen. Also ein richtig selbst gemachtes, meine ich."

"Ach wirklich," gebe ich höflich von Staffelei zurück .

"Meine Eltern hatten an den Wänden nur Zinnteller und aufgeklebte Puzzle. Wo sollte ich das denn auch herhaben," erzählt sie weiter. Nennen wir sie Elli. "Wenn sie nicht schlafen konnte, hat meine Mutter in der Nacht gepuzzelt. Am liebsten Waldmotive, weil das beruhigt und in ganz vielen Teilen. Das war dann meistens grün und echt schwierig."

"Ja, Grün ist eine schwierige Farbe", sage ich leicht zerstreut und pinsele etwas unschlüssig orangene Linien in die blauen Gräser auf der Leinwand.

"Mir war das immer zu kleinteilig. Und hingehängt schon mal gar nicht. Ich hatte immer nur den Jahreskalender vom DM-Markt. Das war's." Elli blickt prüfend über ihre Strickreihe glatt rechts. "Bis ich mir dann diesen Mann von Ihnen hingehängt habe." Sie lässt ihr Strickzeug ruhen, lehnt sich in die roten Polster weiter zurück und schaut eine Weile vor sich hin. "Und der hat dann alles verändert."

Ich weiß was sie meint und lächle. Unsere Blicke treffen sich, ich nicke.

"Man kauft nicht einfach nur ein Bild, man kauft auch die eigenen Gedanken dazu. Die Welt hinter dem Bild, zu dem es einem die Tür öffnet."

Elli streicht versonnen über den lila Wollpuschel und zupft an dem Faden. "Ich unterhalte mich sogar mit ihm. Ich gehe mit ihm ins Bett und wache mit ihm auf. Er ist da, wenn ich nach Hause komme. Ich gehe immer als erstes in mein Schlafzimmer und sage: 'Hallo Antonio, da bin ich wieder.' Er hat ja dieses kleine Lächeln, und ich denke dann, es ist ganz allein für mich. Verrückt nicht wahr?"

"Antonio?" frage ich leicht verblüfft.

"Ich finde, er hat Ähnlichkeit mit Antonio Banderas. Finden Sie nicht?"

"Ach wirklich."

"Ich spare auf ein zweites LED-System. Ich möchte, dass er das Licht auch von unten kriegt."

"Donnerwetter."


"Oh, you know," she says, while she has the knitting needles busily clicking together over something purple, "I never thought of ever buying a painting. I mean, a really homemade one."

"Oh, really," I return politely from easel.

"My parents only had pewter plates and jigsaw puzzles on the walls. Where should I have got that from," she continues. Let's call her Elli. "When she couldn't sleep, my mother used to do puzzles at night. Preferably forest motifs, because that is calming and in lots of pieces. It was usually green and really difficult."

"Yes, green is a difficult color," I say slightly absent-mindedly and brush slightly indecisive orange lines into the blue grasses on the canvas.

"It wasn't for me. And certainly I wouldn't hang them on a wall. I only had the yearly calendar from the DM market. That was it." Elli looks searchingly over her row of knits. "Until I have hung up your man." She lets her knitting rest, leans back further into the red cushions and looks a while ahead. "And then he changed everything."

I know what she means and I smile. Our eyes meet, I nod.

"You don't just buy a painting, you buy your own thoughts on it. The world behind the painting, to which it opens the door."

Elli strokes the purple tufts of wool pensive and tugs at the thread. "I even talk to him. I go to bed with him and wake up with him. He's there when I get home. I always go to my bedroom first and say, 'Hello Antonio, I'm back. He's got this little smile, and I think it's just for me. It's crazy, huh?"

"Antonio?" I ask, slightly flabbergasted.

"I think he looks a lot like Antonio Banderas. Don't you?"

"Oh, really?

"I'm saving up for a second LED system. I want him to get the light from below too."

"Wow!"


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